Die Kraft von Emotionen im Business
In der Kommunikationsentwicklung für Agenturkunden arbeiten wir jeden Tag mit Emotionen. Die Kommunikation soll sich auf emotionaler Ebene mit der Zielgruppe verbinden, sie emotional abholen, ihre Wünsche und Bedürfnisse ansprechen und ihre Gefühlswelt widerspiegeln. Marken sollen emotionaler werden, ein Markenspot Gänsehaut verursachen. Sprechen wir Zielgruppen auf emotionaler Ebene an, ist die Chance höher, dass die Botschaft hängen bleibt. Die Arbeit mit Emotionen ist Teil unseres Daily Business.
Emotionen am Arbeitsplatz
Gerade deswegen ist es fast schon überraschend paradox, wie wenig Raum Emotionen im Bereich des geschäftlichen Miteinander haben. Ja, Emotionen wie Freude, Spaß oder Stolz sind willkommen. Doch Emotionen wie Wut, Enttäuschung, Frust, Unsicherheit und Angst oder das Gefühl von Überforderung werden im Business Kontext eher als „schwierig“ oder „unangebracht“ betrachtet und in der Folge häufig gar nicht offen thematisiert. Sie haben keinen Raum.
Selbst in unserem kreativen Umfeld, das intensiv mit Emotionen arbeitet, gilt überwiegend noch die Maxime „(Schwierige) Emotionen gehören nicht an den Arbeitsplatz!“.
Entsprechend präsentieren Führungskompetenz Ratgeber beispielsweise Titel wie
„Emotionen am Arbeitsplatz:
Die Gefühlswelt im Job beherrschen.“
und proklamieren
„Gerade auf der Arbeit ist Emotionsregulation wichtig, um professionell zu bleiben und sich vor Kunden, Vorgesetzten und Kollegen nicht daneben zu benehmen.“
Dieser Argumentation folgend, sehen empfohlene Methoden zur Regulation zusammengefasst so aus:
Vermeidung: Die „emotional relevante Situation schlicht vermeiden oder sie so anpassen, dass unsere emotionale Reaktion schwächer ausfällt“ oder die Aufmerksamkeit vom emotionalen Stimulus abwenden.
Relativierung: Die „Bewertung einer Situation und damit ihre emotionale Bedeutung verändern“, z.B. durch Relativierung, als sich einer laut „Studien als besonders erfolgreich“ erweislichen Strategie.
Reaktionsmodulation: „Gefühle aktiv unterdrücken und verbergen. Leider bringt diese Strategie vermehrt soziale und gesundheitliche Nachteile mit sich. Emotionale Reaktionen können auch durch Alkohol oder Drogen moduliert werden. Eine weit empfehlenswertere Form der Reaktionsveränderung ist regelmässige Bewegung, die nachweislich bessere emotionale Kontrolle und gesünderen Umgang mit Stress nach sich zieht. Das Gleiche gilt für Meditation, insbesondere Achtsamkeitsmeditation.“
www.weka.ch
Natürlich sollen die genannten Methoden Hilfe versprechen, um am Arbeitsplatz mit Emotionen umzugehen. Formulierungen wie „beherrschen, unterdrücken, verbergen“, „Kontrolle“, „professionell bleiben“ und „sich nicht daneben benehmen“ implizieren allerdings leider, dass das Zeigen authentischer Emotionen unprofessionell wirkt. Dies nährt das tendenziell immer noch unvorteilhafte Image von Emotionalität im Business und stützt die Haltung, dass „schwierige oder negative“ Emotionen nicht an den Arbeitsplatz gehören.
Was mich daran vielleicht besonders ärgert, ist der Aspekt, dass diese Haltung und die genannten Methoden tatsächlich größtenteils mit meinen Beobachtungen, wie mit diesem Thema umgegangen wird, übereinstimmen.
Da liegt der Hase im Pfeffer.
Es gibt keine unangebrachten Emotionen
Was haben die Methoden von Vermeidung, Relativierung und Modellierung gemein? Sie negieren die Emotionen und damit die überaus wertvolle Funktion, die jede unserer Emotionen erfüllt.
Unser gesamtes System arbeitet für uns. Es stellt Emotionen her, damit diese uns etwas sagen. Sie sind Botschafter und Helfer. Vielleicht reagieren wir auf emotionaler Ebene manchmal heftiger, als wir selbst verstehen. Dann lohnt es sich, da genauer hinzuschauen. Doch unangebrachte Emotionen gibt es nicht. Angst schützt uns. Freude verbindet uns. Traurigkeit hilft uns loszulassen. Wut unterstützt uns, für uns und unsere Grenzen einzustehen. Wir brauchen diese Emotionen und ihre diversen Nuancen jeden Tag, um uns im sozialen Kontakt zu bewegen und auszudrücken. Wir brauchen sie, um uns zu positionieren, um stimmige Entscheidungen zu treffen und um uns mit unserem gesamten System kongruent zu empfinden.
Wenn wir Emotionen wie Wut oder Angst und ihre vielfältigen Ausprägenen, wie beispielsweise Ärger oder Unsicherheit vermeiden, relativieren oder gar modellieren, entgehen uns die handlungsrelevanten Informationen, die sie für uns bereithalten. Dadurch entgeht uns die Chance, etwas über uns und unser Verhalten in der Situation sowie im sozialen Kontext, in dem wir uns bewegen, zu lernen. Uns entgeht die Chance im wahrsten Sinne des Wortes angemessen, also adäquat in Bezug auf die Situation und kongruent mit unserem gesamten System, zu reagieren.
Business Exempel
Für alle Lesefreudigen hier ein kleiner Deep-dive in ein praxisorientiertes Gedanken(bei)spiel. Für die Text-Überflieger ohne Deep-dive direkt weiter zu Emotionale Kompetenz
Situation
Nach einer umfassenden Ausarbeitung werden dem Kunden die Kreativideen im Meeting präsentiert. Du bemerkst schon während des Meetings, dass der Kunde etwas ungeduldig und leicht genervt wirkt. Nachdem alle Ergebnisse präsentiert wurden, hagelt es ein sehr harsch vorgebrachtes Kundenfeedback.
Deine emotionale Reaktion
Die Wortwahl und Heftigkeit der Kritik lösen Frustration und deutlich spürbaren Ärger aus, weil du den Eindruck hast, dass die Kritik nicht fair ist. Sie wird dem Arbeitsergebnis, welches das Team mit viel Einsatz entwickelt hat, nicht gerecht. Du spürst, wie dir das Blut in den Kopf steigt, dein Puls sich verschnellert. Du kannst dich kaum auf die Inhalte des Feedbacks konzentrieren.
Dein Verhalten
Du versuchst Contenance zu bewahren. Du unterdrückst deinen Ärger, hörst über die Heftigkeit und Tonalität hinweg, konzentrierst dich auf die Sache und hoffst, dass der Ärger verpufft. „Zähne zusammenbeißen. Augen zu und durch. Irgendeine Lösung wird es schon geben.“ sind begleitende Gedanken. Dein Ärger färbt deine Präsenz im Debrief mit dem Team später spürbar.
Oft ist eine solche Unterdrückung von Emotionen im Arbeitskontext eine automatische, weil gelernte und häufig angewandte Reaktion. Wenn du diesem gelernten Reaktionsmuster stets folgst, ignorierst du die Information, die dir der Ärger vermittelt. Dadurch verpasst du die wertvolle Gelegenheit, etwas zu lernen und dich über deine typischen Reaktionsmuster hinaus zu entwickeln.
Gedankenspiel
Wie wäre es, wenn du in genau dieser Situation die Souveränität und Kompetenz verspüren würdest, die Information aufzunehmen, die dir dein Ärger vermitteln will. Vielleicht sagt dein Ärger dir, „Dieses Kundenfeedback fühlt sich unfair an, wo sich das Team doch alle Beine ausgerissen hat. Kann man das nicht konstruktiv formulieren statt in so einem Ton? Wo bleibt hier bitte die Wertschätzung und Partnerschaftlichkeit?“.
Wie wäre es, wenn du einen Weg wüsstest, deine Irritation und diese Information souverän zu kommunizieren, statt den Ärger herunterzuschlucken und abends beim Dinner mit Freunden erneut durchzukauen.
Bei diesem Gedanken kommt möglicherweise Angst hinzu: „Und wenn das zu einem Konflikt mit dem Kunden führt?“ Allerdings: Der Konflikt ist ja schon da! Das sagt dir dein Ärger. Du wirst ihn aus dem Meeting mit in das Team nehmen und vermutlich sogar mit in den Feierabend. Ärger und der Konflikt bleiben zunächst. Wenn der Konflikt also schon da ist, ist es möglicherweise zielführend, ihn transparent zu machen. Das kannst du, indem du tatsächlich verbalisierst, was dein Ärger dir sagt. Das braucht nicht in der Heftigkeit sein, wie das Gefühl Alarm schlägt. An dieser Stelle ist Regulation in der Tat hilfreich. Du wirst dabei vielleicht sogar merken, wie dein Ärger in dem Moment abflacht, sobald du ihn selbst ernst nimmst und ihm zuhörst und dann formulierst. Denn damit ist seine Aufgabe zunächst getan.
Stelle dir also weiterhin vor, du fühlst dich souverän mit deinem Ärger und ebenso souverän, treffende Worte zu finden, um dem Kunden deinen Eindruck authentisch zu kommunizieren. Damit wird der Konflikt bereits im Entstehen transparent und es ergibt sich eine Möglichkeit, ihn direkt für beide Seiten zu klären, eventuell sogar zu lösen. Ich will hier kein utopisches Bild malen. Es ist zunächst eine Möglichkeit. Ob es gelingt, hängt zu einem großen Maße ebenso an deinem Gegenüber.
Doch unabhängig davon machst du die Erfahrung, deine Emotion zu integrieren und dadurch ein Erleben von Selbstwirksamkeit, Souveränität und starkem Standing zu generieren. Selbst wenn das Kundenfeedback am Ende haargenau dasselbe bleibt. Das ist vielleicht im ersten Anlauf frustrierend. Dennoch hast du Standing bewiesen und damit die Kundenziehung aktiv gestaltet. Das ist ein Grundstein, auf den du beim nächsten Konflikt aufbauen kannst. Wenn dann beim dritten Feedback dieser Art dein Einwand angenommen wird – hast du Erfolg.
Emotionale Kompetenz
Haben Emotionen keinen Raum, werden sie folglich nicht als Information und Vermittler von relevanten Themen eingeordnet und adäquat im Verhalten abgebildet. Stattdessen bahnen sie sich ihren unbewussten Weg über das Verhalten. Das kann beispielsweise die Vermeidung von Kommunikation oder von überfordernden Aufgaben sein. Vielleicht drücken sie sich in Passivität oder, im anderen Extrem, über blinden Aktionismus aus.
Emotionen begleiten uns in jeder Situation. Wir können sie – zum Glück – nicht verhindern. Wir können viel mehr annehmen, dass sie da sind und uns eine großartige Chance für unsere Weiterentwicklung bieten. Ist es nicht viel schöner Emotionen am Arbeitsplatz als Wegweiser und Botschafter von Themen, Werten, Grenzen, die uns wichtig sind zu betrachten, statt sie als „schwierig“, „unerwünscht“, „unangebracht“ abzutun?
Deine Emotionalität ist eine wichtige Ressource, die dir sagt, ob du auf einem für dich stimmigen und selbstwirksamen Weg bist. Je mehr du diese Ressource erkennst und bewusst einsetzt, desto souveräner wirst du in deinem Verhalten, in der Gestaltung von Kunden- und Teambeziehungen. Je ausgeprägter deine emotionale Kompetenz ist, desto höher ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit Konflikte früh zu erkennen, zu lösen oder präventiv zu verhindern. Um nur eine von vielen positiven Folgen emotionaler Kompetenz herauszugreifen.
Die Fähigkeit Emotionen adäquat auszudrücken beeinflusst, wie stark und souverän wir uns in unserem Job fühlen. Darüber hinaus hat die Art und Weise, wie wir mit den eigenen und anderen Emotionen im Arbeitsumfeld umgehen großen Einfluss darauf, ob Kunden, Kollegium und Vorgesetzte gerne mit uns zusammenarbeiten.
Coaching als kraftvolles Tool für Emotionsintegration
Mit den Methoden und Tools des systemischen Coachings unterstütze ich dich dabei, deine Emotionen bewusst, stimmig und gewinnbringend in die berufliche Tätigkeit zu integrieren.
Sich authentisch am Arbeitsplatz zeigen können sorgt dafür, dass wir uns als die Persönlichkeiten, die wir sind, vollkommen in den Job einbringen können. So kannst du mit Begeisterung ein Kreativkonzept präsentieren oder dem Kunden souverän deinen Unmut über ein Feedback vermitteln. Die Souveränität, den eigenen Emotionen diesen Raum zu geben, sie auszudrücken und die Informationen, die sie dir mitteilen möchten, einordnen zu können, ist eine starke Ressource. Ich bin davon überzeugt, dass diese Ressource dich langfristig erfolgreicher machen wird und gleichzeitig dafür sorgt, dass du mit ganzem Herzen bei der Sache bist.
Was sind deine Erfahrungen mit Emotionen ab Arbeitsplatz? Kommt es vor, dass dir alles zu viel ist, doch du scheust dich, das zu zeigen? Es landet eine harsche Kritik vom Kunden im Postfach, die dich auf die Palme bringt? In deinem Team gibt es oft Zoff? Was macht das mit dir? Was fühlst du dabei? Wie gehst du damit um?
Teile gern deine Gedanken – hier im Kommentar, im direkten Austausch mit mir und wenn du magst, vielleicht sogar in einem Coaching?!
Ich freue mich auf deine Kontaktaufnahme.
Deine Alina