Gedanken Gewitter

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Von Druck, Konsequenz, Energie

und vom Schaffen und einfach machen.

Draußen gewittert es. Ich schaue den Blitzen zu, wie sie sich leuchtend, flackernd energiereich quer über den Himmel erstrecken. Ich wünsche mir, ich könnte mich so entladen. Von außen bin ich ruhig. Sitze da und schaue in den Himmel. Doch ich spüre den Druck in mir, finde kein Ventil.

Ich denke, ich will so Vieles. Ich fange an. Und dann stecke ich fest. Ich will schreiben, zum Beispiel. Ich schreibe oft. Doch dann stecke ich fest. Ist es gut genug? Will es jemand lesen? Erreicht es überhaupt jemanden? Schon mal nicht, wenn ich es nicht veröffentliche, das ist mal klar. Aber erreichet es jemanden inhaltlich? Mein Anspruch an mich selbst blockiert mich. Und ich weiß das.

Einfach machen. Einfach machen. Einfach machen wäre die Devise. Warum kann ich es nicht einfach machen? Was hält mich auf? Was brauche ich, um einen Donnerschlag und einen Blitz zu schleudern? Ein Superhelden Kostüm?

Druck & Konsequenz

Wann macht man sich Druck? Und wann ist es zu viel? Ich lerne, Druck ist nicht gut. Doch ich wurde von der Generation „Unter Druck entstehen Diamanten“ großgezogen. Zielstrebig, leistungsorientiert, konsequent soll man sein. Bin ich konsequent? Wenn ich so viele Dinge will, so viele Dinge anfange, doch nicht jedes Mal dranbleibe? Bin ich zu streng mit mir? Oder nicht streng genug? Welches Maß ist das richtige um nicht am Ende eines Monats, eines Jahres, eines Lebens all die Dinge, die ich nicht (zu ende) gemacht habe zu bereuen? Muss man überhaupt alles beenden, was man anfängt?
Früher habe ich mich durch Bücher gequält, wenn ich sie angefangen habe, weil ich sie schließlich angefangen hatte. Das mache ich jetzt nicht mehr. Wenn mich das Buch nicht packt, dann lese ich es nicht weiter – immer noch mit einem latent schlechten Gewissen. Wem gegenüber? Dem Buch? Dem Autor? Meiner inneren „Man muss konsequent sein“ Stimme?

Energie & Aufmerksamkeit

Oft ertappe ich mich dabei, wie ich denke „Wenn ich nur dieses eine bestimmte Thema gelöst hätte, wäre die Energie endlich wieder ungebunden und könnte sich in all die anderen Themen entladen.“. Warum kann ich sie nicht jetzt schon umleiten? Würde mir das nicht guttun? Oder ist es ein inneres Signal, dass ich jetzt nicht die Energie habe?
Die Energie folgt der Aufmerksamkeit heißt es. Das erlebe ich so. Das klingt so, als ob man die Aufmerksamkeit einfach zielorieniert steuern kann. Kann man das? Kann ich das? Will ich das? Oder will ich darauf vertrauen, dass es einen ganzheitlichen Sinn hat, wenn meine Aufmerksamkeit wie von selbst auf einem Thema mehr liegt als auf anderen. Dann ist vielleicht genau dieses Thema, das meine Aufmerksamkeit bindet, das was sie gerade am meisten braucht!?
Das hieße für die anderen Themen ist jetzt nicht der Moment. Oder ist das eine Falle, die zu dem Schluss führt, dass irgendwie nie der richtige Moment dafür ist? Bereue ich das dann irgendwann oder vertraue ich darauf, dass mein gesamtes System bewusst und unbewusst weiß, was gerade dringlich und langfristig relevant ist?

Das Wollen vs. Brauchen Dilemma

„Wenn du nur willst, dann schaffst du alles im Leben!“. Ebenso ein Leitsatz der Generation „Diamanten/Leistung/Erfolg“. Ich sehe und respektiere den verlockenden, selbst bestärkenden und motivierenden Aspekt darin.
Doch heißt das, wenn ich etwas nicht schaffe, habe ich es einfach nur nicht genug gewollt? Es mir nicht fest genug vorgenommen? Mich nicht genug angestrengt? Nicht genug geleistet?
Das hieße Scheitern wäre keine Option, sondern eine unverzeihliche Schmach und der Beweis dafür, dass ich mich nicht genug angestrengt habe, und dass ich es nicht genug wollte. Oder ist es am Ende okay zu scheitern, weil man einfach doch nicht so recht wollte? Der Gedanke fühlt sich komisch an, oder nicht?
Vielleicht sagte ich mir, wenn ich mit meinem Willen scheitere, „Ach, du hast es gar nicht wirklich gebraucht“. Ist das dann nicht einfach eine Umdeutung im Nachhinein, um sich selbst zu trösten und die Enttäuschung zu überwinden, dass man eben nicht bekommen hat, was man wollte… oder brauchte.
So gern wir die Wahrheit im Außen suchen, da finden wir nur Irritationen, Reflektionsflächen und Resonanzräume. Zum Glück. Denn so dürfen wir selbst schauen, ob wir etwas wirklich wollen und, wenn wir es nicht erreichen, für uns selbst bewerten, warum wir es nicht erreichen. Vielleicht muss das gar nicht schlecht bewertet werden. Dann wäre es sogar zutreffend zu sagen, ich habe es nicht wirklich gebraucht. Doch wie ist es, wenn wir etwas wirklich brauchen? Und es nicht bekommen?

Bedürfnisse & „böse“ Erwartungen

Um zu bekommen, was wir brauchen, liegt die Kunst wohl darin, die Bedürfnisse, die wir haben, an die richtigen Menschen zu richten. Offen mit unseren Bedürfnissen umzugehen, sie transparent zu machen. DAS ist so viel schwerer als es sich hier kurz runter schreiben lässt.
Denn dann müssen wir uns zeigen. Das ist manchmal unbequem für uns und unsere Mitmenschen, vielleicht ecken wir an. Mit den Bedürfnissen, die wir haben.
Schnell macht unser Umfeld oder wir selbst aus Bedürfnissen Erwartungen. Böse Erwartungen. Erwartungen haben doch irgendwie einen schlechten Ruf. Warum eigentlich?
Jeder macht sich ein Bild davon, was er sich wünscht. Ob wir das nun Wunsch, Hoffnung, Erwartung nennen möchten. Wir machen uns ein Bild und wir möchten, dass dieses Bild von einer Imagination zu einer Realität wird. Und das ist etwas Schönes. Es ist unsere kreative Kraft, Dinge zu erschaffen, zu verwirklichen.
Dennoch ist das Gefühl, wenn jemand uns einen Wunsch abschlägt, zunächst kein schönes. Doch wenn wir die Möglichkeit von vorneherein einbeziehen, sind wir in der Lage mit dieser Konsequenz umzugehen, oder nicht? Klingt leicht. Ist es definitiv nicht.

Hölzchen & Stöckchen

So streife ich allerhand „Holz“ und stelle mehr Fragen, als dass ich Antworten hab. Das ist für mich die Schule des sozialen Kontaktes, der persönlichen Erfahrungen und des lebenslangen Lernens: Die Antworten für sich zu finden. Dabei hat jeder seinen eigenen Unterrichtsplan. Und eine persönliche Wirklichkeitskonstruktion. Darin ordnet man alles ein – in einen zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden Erfahrungskontext. Doch der verändert sich stetig, denn es kommen jeden Tag neue Erfahrungen hinzu.
Wir suchen den Sinn des Lebens, eine Berufung, Rat, Halt, Sicherheit. So viele Dinge suchen wir und auf der Suche helfen uns solche Überlegungen. Und es hilft alles Gelernte, Gehörte, Geratene immer wieder neue zu reflektieren und in neue Kontexte zu übertragen. Oder besser nicht aus alten Kontexten zu übertragen – doch das ist wieder ein anderes Thema und ich denke es reicht zunächst mit Hölzchen und Stöckchen.

Ganz wichtig: Nimm keinen meiner Gedanken einfach an oder für bare Münze, wenn er sich für dich anders darstellt oder nicht stimmig anfühlt. Vielfältigkeit in unseren Sichtweisen ist eine wunderbare Ressource, um neue Dinge zu erschaffen. Für sich selbst und für andere.

Gemeinsam.

Also: im Sinne von „einfach machen“, poste ich damit meinen ersten Blog-Artikel und lade dich ein, deine Gedanken zu teilen und zu kommentieren.

Nun ist gerade das Gewitter verzogen und die Sonne lacht. Interessant.

Bis bald.
Deine Alina


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  1. Sehr viele Schöne Anregungen zum Nachdenken, Hinterfragen und Annehmen. Außerdem sehr mutig und aufschlussreich, wie komplex eigene Gedanken werden können. Macht Lust auf mehr.

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